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Thema: Nicht mehr nur "stille Mitleserin"... meine Gedanken über Rohkost.

  1. #1
    Kiwi
    Guest

    Nicht mehr nur "stille Mitleserin"... meine Gedanken über Rohkost.

    Hallo liebe Rohkostfreunde

    also sorry schon mal für den langen Text, der nun folgen wird, aber ich wusste nicht, wie ich es kürzer sagen sollte

    Mein Name ist Tina und ich bin 29 Jahre alt. Wegen diverser Unverträglichkeiten (Kaseinunverträglichkeit, Soja darf ich auch nicht essen und im Sommer kam zu allem Überfluss noch die Diagnose Zöliakie (Getreide)) habe ich mich in den letzten drei Jahren sehr viel über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit informiert. Da ich eigentlich eine leidenschaftliche Köchin und Bäckerin bin, habe ich das Thema Rohkost trotz aller positiven Erfahrungsberichte, allerdings immer eher hinten angestellt. Ich dachte mir dabei so etwas wie: "Rohkost... da hat man ja gar nichts mehr vom Leben und das ist eher etwas für spirituelle Spinner auf dem Selbsterfahrungstrip, die auf totale Askese stehen". Um meinem großen Spaß am Kochen und Backen weiter frönen zu können, ernährte ich mich deshalb zwar bereits seit drei Jahren ohne Milch und Milchprodukte und seit einem Jahr vegan, allerdings kaum von rohen Lebensmitteln.

    Angefangen, mich mit dem Thema Rohkost auseinander zu setzen, habe ich, wie viele andere Menschen sicherlich auch, erst, als ich mich gesundheitlich stark beeinträchtigt fühlte. Allerdings war der Prozess des "sich nicht gesund Fühlens" eher "schleichend", so dass es mir erstmal gar nicht richtig auffiel. Ich fühlte mich bereits seit Jahren in Phasen immer mal wieder sehr müde und schlapp, dazwischen ging es mir allerdings noch so gut, dass ich meinen sportlichen Leidenschaften (Laufen, Mountainbike fahren, Bergsteigen, Klettern) in vollen Maßen nachgehen konnte. Ich schob es, wenn es mir nicht gut ging darauf, dass ich in diesen Phasen einfach etwas zu viel um die Ohren hatte. Allerdings fing es vor circa einem Jahr an, dass ein Infekt den nächsten jagte und ich ständig erkältet war. Erst, als ich mich pausenlos latent krank und unwohl fühlte, meinen Sport nicht mehr regelmäßig deswegen machen konnte und ich mich oft auch an der Arbeit nicht mehr leistungsfähig fühlte, begann ich genauer nachzuforschen und ging zum Arzt. In diesem Sommer kam dann die Diagnose, dass ich, wahrscheinlich schon seit vielen Jahren, Zöliakie habe und in meinem Körper deshalb ständig Entzündungsprozesse ablaufen und mein Immunsystem wahrscheinlich deswegen so geschwächt ist.

    Das war für mich dann natürlich erstmal der Supergau: jetzt kann ich nicht mal mehr Nudeln und Brot essen??? Was geht denn dann überhaupt noch? Kann ich mich dann nicht gleich erschießen? Eine Veganerin, die nichtmal Brot und leckeren Kuchen essen kann Hinzu kamen die ständigen Kommentare meiner Mitmenschen... "Oh, du arme, das ist ja schrecklich, ich könnte so nicht leben... du kannst ja echt gar nichts essen...!"

    Als ich im Juli diesen Jahres von einem zweiwöchigen Sporturlaub (Bergsteigen) aus den Alpen wiederkam fühlte ich mich allerdings so ausgelaugt, schwach und krank, dass mir schweren Herzens klar wurde, dass ich meinen kompletten Lebenswandel ändern muss, wenn ich irgendwann überhaupt mal wieder fit und leistungsfähig sein möchte. Ich hatte das Gefühl, dass ich irgendwie mal die "Reset-Taste" drücken musste, denn durch dieses Gefühl des ständigen Krankseins hatte ich schon eine ganze Menge an Lebensfreude verloren... nur wo um alles in der Welt ist diese Resettaste denn zu finden??? Beim Computer ist das doch eigentlich alles ganz einfach

    Ich dachte dann an die ganzen Erfahrungsberichte von Rohköstlern, die teilweise sogar schwere Krankheiten mit einer Ernährungsumstellung in den Griff bekommen hatten und nahm mir vor, dass ich Rohkost wenigstens ausprobieren wollte und sie ein Teil in meinem Experiment "Wie finde ich zurück zu meiner alten Lebensfreude und meinem hoffnungslosen Optimismus?" sein sollte. Also würde ich jetzt auch zu so einem "Rohköstler auf dem Selbsterfahrungstrip" über die ich mich immer amüsiert hatte werden? Ich sag ja immer: ich bin mir für keine Erfahrung zu schade... also: warum nicht

    Ich wollte dazu wie folgt vorgehen:

    • glutenhaltiges Getreide konsequent meiden,
    • solange erstmal keinen exzessiven Sport machen, bis ich mich mal wieder längere Zeit gesund und munter fühle,
    • dafür aber wenn es geht jeden Tag an der frischen Lust spazieren gehen (auch, wenn das Wetter nicht so super ist),
    • meine Mahlzeiten langsam auf Rohkost umstellen, indem ich den Anteil an frischem Obst und Gemüse nach und nach erhöhe.



    Mittlerweile esse ich mindestens zu 90% roh, oft auch mehr, und kann an diesem Punkt schon mal folgendes Feststellen:

    Positives:
    • mittlerweile (am Anfang war es das genaue Gegenteil, da kam erstmal alles "raus") habe ich in der meisten Zeit so eine tolle Haut, wie noch nie in meinem Leben und meine Haare und Nägel sehen auch viel gesünder aus.
    • auch wenn es immer mal wieder noch Tage gibt, an denen ich mich nicht 100%ig gut und fit fühle, so bin ich oft auch schon wieder richtig gut drauf und freue mich des Lebens
    • die richtig heftigen Erkältungen und Infekte suchen mich aktuell nicht mehr auf
    • ich habe Obst und Gemüse ausprobiert, deren Namen ich vorher nicht mal kannte
    • klingt banal, aber ich freue mich total, wenn ich zwischendurch eine frische Kaki oder Orange esse. Früher habe ich immer gedacht: Jetzt ess ich erstmal was richtig leckres... ein Stück Obst? ne, lieber ein Schokocroissant, Obst ist ja nichts besonderes und macht mich gar nicht satt
    • mein Geschmack hat sich verändert und ich muss nicht mehr Tonnen von Salz und Gewürzen auf mein Essen tun
    • der Begriff Lebensqualität hat eine neue Bedeutung für mich bekommen und meine Einstellung zum Essen und zum Leben hat sich insgesamt Verändert: Rohkost hat für mich ganz und gar nichts mehr mit Askese oder verminderter Lebensqulität zu tun. Diese habe ich die meiste Zeit - wie viele andere Menschen sicher auch - mit übermäßigem Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln und exzessiven Einkaufen von "Feinkostartikeln" im Supermarkt gleichgesetzt ("sich einfach mal richtig was gönnen" und so...) mittlerweile bedeutet Lebensqualität, dass es mir körperlich und mental gut geht
    • ich habe tolle Menschen kennengelernt und dadurch meinen Horizont erweitert
    • Wichtige Erkenntnis: Kreativer Umgang und Zubereitung von Nahrung muss nicht zwangsläufig mit Kochen zu tun haben: ich habe mittlerweile Unmengen von Rohkostpralinen, Keksen, Kräckern Torten und anderen tollen Rezepten ausprobiert und diese dann zu großen Teilen auch an meine Mitmenschen verschenkt um das Rohkostimmage bei meinen Bekannten und Freunden etwas aufzupolieren Das Ergebnis war sehr positiv.
    • Ich hatte plötzlich etwas total tolles, nämlich viel mehr Zeit
    • und ich bin bisher wirklich ganz viel Spazieren gegangen


    Obwohl ich ganz viel positives zu berichten weiß... ich finde es immer wichtig auch das Negative anzusprechen:
    • zeitweise ging es mir - nach einer anfänglichen Hochphase in der alles supi dupi toll war - richtig schlecht. Das waren sowohl körperliche als auch mentale Talfahrten. Körperlich wären hier zum Beispiel zu nennen:
    • ein mal bekam ich im zweiten Monat plötzlich für 2 Tage über 40 Fieber und heftigen Schüttelfrost, Fieber hatte ich vorher seit mindestens 15 Jahren nicht mehr gehabt. In den ersten Wochen hatte ich zudem heftige Kopfschmerzen, meine Periode blieb aus und erst vor wenigen Wochen hatte ich plötzlich einen heftigen Gichtanfall in der rechten Hand, obwohl ich vorher NOCH NIE Probleme damit gehabt hatte. Vielleicht sind das alles diese so genannten Entgiftungssymptome, vielleicht ist das aber auch alles Quatsch und das wäre auch so gekommen, wer weiß das schon...
    • zeitweise habe ich vor allem in den ersten 3 bis 4 Monaten sehr starke Gelüste auf gekochte, künstliche und überwürzte Speisen gehabt, die mich ziemlich an meine Grenzen brachten und all meine Disziplin forderten Mittlerweile wird das zum Glück deutlich weniger.
    • Ich friere grundsätzlich schneller, Anfangs habe ich allerdings manchmal so gefroren, dass ich das mit körperlichen Schmerzen vergleichen konnte.
    • Obwohl ich bislang viele positive Erkenntnisse gewinnen konnte, hatte ich neben meinen mentalen "Ups" auch große "Downs". Denn der Weg zu diesen Erkenntnissen war teilweise eben auch sehr schmerzlich. Vielleicht geht es da vielen Menschen genauso... oder auch ganz anders, aber ich zumindest habe mich plötzlich schon häufig gefragt: "was für Sachen waren dir eigentlich die ganze Zeit wichtig, kann es sein, dass du dich vielleicht über Jahre total verzettelt hast und du dich zu sehr an unwichtigen, materiellen, überflüssigen, ... Dingen orientiert hast?"
    • Leider reagiert das Umfeld nicht immer so positiv und teilweise muss ich schon sagen, dass ich, ob ich wollte oder nicht, plötzlich bei vielen Dingen außen vor war (Brunchen gehen mit Freunden, gemeinsames Kochen, Familienfeiern,...) und sehr viel kritische Rückmeldung bekam die dazu führte, dass ich mich von einigen Leuten distanziert habe (oder sie sich von mir, wer weiß)
    • Stellenweise ist und bleibt Rohkost für mich einfach teuer, auch wenn man die reifen Bananen mit dem -50% Aufkleber kauft


    An dieser Stelle mein persönliches Fazit nach 5 Monaten mit konsequent steigendem Rohkostanteil:

    Auch wenn ich es ganz und gar nicht so wollte und es immer belächelt habe: die Rohkostzeit war für mich bisher der absolute Selbsterfahrungstrip der mich körperlich und mental manchmal wirklich mehr gefordert hat, als der ein oder andere Gipfel in den Alpen Aber das Gefühl von Zufriedenheit und Freiheit und Gesundheit, dass ich nun an vielen Tagen wieder habe, das entschädigt mich dafür ebenso, wie die Aussicht vom Gipfel nach einem spannenden und anstrengenden Aufstieg

    Somit werde ich auf jeden Fall weiter am Ball bleiben. Dabei würde ich mich sehr freuen, wenn über dieses Forum ein Austausch mit netten Menschen und anderen Rohköstlern zustande kommt. Dabei erweitere ich immer gerne meinen Horizont, ganz egal, ob es sich um Rezepte und Zubereitungsmethoden oder auch zwischenmenschliches geht.

    Liebe Grüße und euch allen eine schöne Weihnachtszeit
    Tina

  2. #2
    Administrator Avatar von Angelika
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    Herzlich Willkommen, Tina!

    Deine Vorstellung ist sehr lang, wunderbar! Möglicherweise ist es gut, wenn wir Aspekte in eigenen Themen beleuchten, wenn du magst.

    Rohkost ist am Anfang sicher kostenintensiver, weil man insb Anfangs mehr ißt. Wenn du AGE/ALE arm ißt, wirst du bald merken, dass du zwar hochwertigere Lebensmittel besorgst, davon aber weniger benötigst. Solche, die mehr belasten oder ins Ungleichgewicht schieben haben ich mit der Zeit immer mehr weggelassen, was auch viel Geld spart. Die sind dann immer wieder auch gut, aber eben seltener.
    Es ist ein Irrtum zu glauben, dass das, was früher als Add-On gekochter Nahrung gut ergänzt hat, unbedingt auch pur oder in Mischungen in größeren Mengen überhaupt geeignet ist, glücklich zu machen.

    Das Frieren kann im Grunde zwei häufig Ursachen haben:
    * zu hoher Omega 6 Fettsäuren Überschuß gegenüber Omega 3 Fettsäuren
    * Automatisches Gefühl durch den geringeren Verzehr von AGEs /ALEs, die automatisch eine "Heizwirkung" aufweisen, die allerdings nicht unbedingt als Vorteilhaft mit den Jahren zu sehen ist.

    Abhilfe:
    Zu (1): Besser ausgewogen essen und das meiden, was dich zu sehr in Richtung Omega 6 Fettsäuren Überschuß bringt
    Zu (2): Gerade im Winter ist es durchaus gut, kühlere Raumlufttemperaturen zu bevorzugen, aber Strahlungswärme ebenso. Dies kann ein Kachelofen, eine Strahlungswärmeheizung (Wandheizung, Flächenstrahler, IR-Strahler) sein oder auch eine Infrarot-Lampe (oder mehrere davon). Ich schätze diese sehr, ebenso wie Lichtduschen im Winter. Sie sind auch für die psychische Stimmung sehr gut.
    Bei mir am Schreibtisch stehen: Infracare + Energylight (dimmbar) von Philips, sonst haben wir bei Fliesenböden Fußbodenheizung und Heizleisten (Holzblockhaus) bzw zentralbeheizter Wandflächen (Kachlofen, Tepidarium). Letzteres hat nicht jeder, klar, aber die Infrarot-Lampen kann man schnell aufstellen bzw wo einbauen.

    Übrigens: Man braucht damit auch automatisch weniger Lebensmittel und man kommt mit weniger aus. Strahlungswärme aus Lampen kostet nicht mehr Energie (sondern weniger) und du sparst, wenn du die Raumluft nicht zu sehr aufheizt. Das Aufheizen der Raumluft bewirkt nicht nur eine generell trocknere Raumluft sondern auch eine nicht so gute Ionisation dessen.

    Früher wohnte ich in einer Wohnung, die südseitig ausgerichtet war und alle Wohnungen um uns herum heizten, sodass wir die Heizkörper kaum aufgedreht hatten. Viele argumentieren an dem Punkt: Es kostet mich ja nicht mehr.
    Dennoch mache ich auch in diesem Fall auf frische, ionisierte Luft aufmerksam und Strahlungswärme, die man auch schnell abdrehen kann und keine weitere Energie vertan wird.

    Vielleicht hast du schon gemerkt, dass du mehr ißt, wenn es eine niedrigere Raumtemperatur hat und die Umgebungsflächen auch kalt sind? Mir war das Anfangs besonders aufgefallen. Insb als wir einmal vergessen hatten von Absenkbetrieb auf Normalbetrieb umzuschalten und es dann am Vormittag, als ich von zu Hause arbeitete, nur 16,5 °C hatte. Zuerst ging ich in die Küche und aß einmal etwas deftiges (damals Räucherlachs oder sowas vermutlich). Dann wunderte ich mich, warum ich in der Früh schon Hunger hatte.
    Und dann merkte ich, dass es deshalb war, weil es einfach zu kalt war.

    Betreffend Ernährung:
    Es gibt hier eine Tagebuch-Funktion. Wenn du magst, schreib doch 3 typische Tage auf, ich werde dir (vmtl auch grafisch) antworten.
    http://www.rohkostforum.net/blog.php

    Liebe Grüße
    Angelika

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