Hallo zusammen,
ich möchte etwas Interessantes aus dem Fach „Gesundheitspsychologie“ teilen: den Begriff des „Laiengesundheitssystems“.
Dieser Begriff beschreibt, wie Menschen durch ihre Sozialisation und Erfahrungen verschiedene Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit entwickeln. Ein Laiengesundheitssystem umfasst Selbsthilfegruppen, Familie und informelle Netzwerke, die dazu beitragen, die Gesundheit zu erhalten, oft ohne professionelle Unterstützung.
Ein zentraler Aspekt sind die subjektiven Gesundheitskonzepte, die Claudine Herzlich (1973) definiert hat:
1. „Gesundheit als Vakuum“: Gesundheit wird negativ definiert, als Abwesenheit von Krankheit.
2. „Reservoir an Gesundheit“: Gesundheit wird als organisches Kapital verstanden, das jeder Mensch besitzt.
3. „Gesundheit als Gleichgewicht“: Gesundheit wird als Ideal beschrieben, das angestrebt wird.
Darüber hinaus existieren dynamische Gesundheitskonzepte (vgl. Faltermaier, 2020):
1. On-off-Dynamik: Gesundheit oder Krankheit sind die alternierenden Zustände.
2. Reduktionsprozess: Gesundheit wird im Laufe des Lebens durch verschiedene Einflüsse weniger.
3. Regenerationsprozess: Gesundheit kann unter günstigen Umständen wieder zunehmen.
4. Expansionsprozess: Gesundheit kann sich unter optimalen Bedingungen sogar erweitern.
Bedeutung subjektiver Gesundheitskonzepte: Diese Konzepte sind wichtig für die Gesundheitsforschung und die Entwicklung von Theorien. Bei der Planung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen sollten Fachkräfte die Menschen dort abholen, wo sie subjektiv stehen. Das heißt, ihre Alltagskonzepte und bereits im Laiensystem etablierten Aktivitäten sowie ihre verfügbaren Kompetenzen und Ressourcen müssen berücksichtigt werden (Faltermaier & Wihofsky, 2012).
In diesem Sinne ist auch unser Forum ein Laiengesundheitssystem (u.a. Lebensmittelquellen, Erfahrungen, Austausch, ..), das Menschen an verschiedenen Stellen abholen kann. Was haltet ihr von diesen Konzepten?